Förderung und Würdigung
Ehrenamtlicher Hospizarbeit
in der Metropolregion Rhein-Neckar

Interview mit Dietmar Hopp

im April 2010

 

Portrait Dietmar Hopp

Dietmar Hopp

 

»Sie starten die Aktion „Starke Weggefährten“ anlässlich Ihres 70. Geburtstags...«

Dietmar Hopp:

»Jeder runde Geburtstag ist auch ein Anlass, eine Zwischenbilanz des eigenen Lebens zu ziehen. Im persönlichen Bereich fällt diese bei mir sehr positiv aus. Ich habe eine tolle Familie, und nun sogar einen Enkel, der mir sehr viel Freude bereitet. Auch wirtschaftlich gesehen kann ich mich glücklich schätzen. Zu meinem unternehmerischen Erfolg haben auch die Menschen in der Metropolregion Rhein-Neckar beigetragen. So versuche ich nun, mich in vielen Bereichen des regionalen Lebens zu engagieren und der Gesellschaft etwas davon zurückzugeben.

 

Wenn man älter wird, nimmt man natürlich ganz andere Fragestellungen wahr als ein junger Mensch, der noch sein ganzes Leben vor sich hat. So begegnen einem hin und wieder auch Gedanken, die das Ende des Lebens betreffen. Durch mein Engagement für ältere Menschen in der Gesellschaft und nicht zuletzt durch mein Engagement für das Hospiz Agape in Wiesloch, bin ich den Leitgedanken der Hospizbewegung begegnet und habe in den letzten Monaten und Jahren immer mehr über die so bedeutsame Hospizarbeit erfahren. Wussten Sie, dass sich in der Metropolregion Rhein-Neckar 1.021 Menschen ehrenamtlich als Begleiter für Sterbende engagieren? Sie stehen Schwerstkranken und Sterbenden auf ihrem letzten Weg bei – sind starke Weggefährten der letzten Tage und Stunden. Sterbebegleiter führen ernste und auch fröhliche Gespräche, singen und lesen vor oder hören einfach nur zu. Oft sind sie zudem Ansprechpartner für die Familien der Sterbenden. Diese Arbeit hat enorm hohen sozialen Charakter und ist überaus bewundernswert.«

 

 

»Mit der Aktion „Starke Weggefährten“ fördern Sie ehrenamtliche Sterbebegleiter. Was hat Sie dazu bewogen?«

Dietmar Hopp:

»Aus Gesprächen mit Menschen, die Sterbende begleiten, weiß ich, wie erfüllend ihre Arbeit ist, dass aber der Umgang mit Sterbenden auch viel Kraft kostet. Großer Wert wird in den Hospizvereinen, für die die Ehrenamtlichen tätig sind, auf eine gute Qualifizierung gelegt. Um das Erlebte zu reflektieren und neue Kraft zu tanken, sind für die Sterbebegleiter regelmäßige Weiterbildungen und Supervision unerlässlich. Weiterbildungen verursachen allerdings Kosten für die Hospizvereine. Genau hier setzt die Aktion Starke Weggefährten an. Mit den Weiterbildungsgutscheinen der Aktion Starke Weggefährten der Dietmar Hopp Stiftung können Ehrenamtliche an Weiterbildungen teilnehmen, um für ihre anspruchsvolle Arbeit der Sterbebegleitung bestens vorbereitet und qualifiziert zu sein.«

 

 

»Mit der Aktion „Starke Weggefährten“ setzen Sie einen Akzent auf das soziale Engagement der Stiftung. Warum widmen Sie einen Teil Ihres Engagements der Hospizarbeit?«

Dietmar Hopp:

»Bei genauerem Hinsehen haben alle Projekte meiner Stiftung einen hohen sozialen Charakter. Bei unserem Jugendsport-Förderkonzept sind uns neben der sportlichen Ausbildung auch die schulische Förderung und die Vermittlung sozialer Kompetenzen wichtig. Auch im medizinischen Förderbereich sowie in den Projekten im Bildungsbereich sind soziale Komponenten innewohnend. Hospizarbeit ist von besonders hohem sozialem Charakter. In unserer Metropolregion Rhein-Neckar wird viel getan, damit Menschen ihren letzten Weg würdevoll gehen können. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass das segensreiche Wirken der Hospizarbeit noch stärker wahrgenommen werden sollte, schließlich steht dahinter das zentrale Selbstverständnis unserer Gesellschaft: »Die Würde des Menschen ist unantastbar.« Stärker ins Blickfeld zu rücken, wie wunderbar dieser Leitgedanke von den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die eine so altruistische Arbeit leisten, umgesetzt wird, war für mich einer der Beweggründe, Starke Weggefährten zu initiieren.«

 

 

»Wie sieht Ihre Hilfe für Sterbebegleiter konkret aus?«

Dietmar Hopp:

»Ich möchte die Ehrenamtlichen in ihrem Tun bestärken. Mit der Aktion Starke Weggefährten will ich die Arbeit der ehrenamtlichen Sterbebegleiter würdigen und anerkennen und ihnen zudem einen konkreten Nutzen stiften. Deshalb setzt meine Förderung bei der so wichtigen, stetigen Weiterqualifizierung der ehrenamtlichen Sterbebegleiter an. Darüber hinaus soll Hospizarbeit stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden, beispielsweise indem wir die Arbeit der ehrenamtlichen Sterbebegleiter auf unserer Website vorstellen. Unter dem Navigationspunkt »Starke Weggefährten« porträtieren wir stellvertretend für die 1.021 Menschen, die sich im Hospizwesen engagieren, einzelne Sterbebegleiter und ihre Arbeit.«

 

 

»Was wünschen Sie sich für die „Starken Weggefährten"?«

Dietmar Hopp:

»Ich hoffe, dass wir mit unserer Aktion dazu beitragen können, dass die Hospizarbeit stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und die ehrenamtlichen – aber natürlich auch die hauptberuflichen – Mitarbeiter die Anerkennung erfahren, die ihnen zusteht. Vielleicht ist die Aktion Starke Weggefährten auch ein Impulsgeber, so dass sich bald noch mehr Menschen in der Metropolregion Rhein-Neckar dafür engagieren, unheilbar Kranke auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Der Bedarf an Sterbebegleitung ist jedenfalls groß – denn wer möchte schon alleine aus dem Leben gehen? Letztlich hoffe ich, dass Starke Weggefährten zu mehr Würde und Menschlichkeit in der Metropolregion Rhein-Neckar beiträgt.«