Förderung und Würdigung
Ehrenamtlicher Hospizarbeit
in der Metropolregion Rhein-Neckar

Sterbebegleiter stark machen



14.10.11

Akademie für Gesundheitsberufe Heidelberg ist Kooperationspartner der Aktion „Starke Weggefährten“ der Dietmar Hopp Stiftung | Mehr als 100 Sterbebegleiter trafen sich zur Fachtagung im Heinsteinwerk




Dort beizustehen, zuzuhören, tröstende Worte zu finden und Leid zu lindern, wo das Leben im Angesicht des Todes zunehmend zur Last wird – das ist das Ziel der mehr als 1.000 ehrenamtlichen Sterbebegleitern in der Metropolregion Rhein-Neckar. „Von der Last zu leben – von der Lust zu leben“ war daher auch das Motto einer Fachtagung der Akademie für Gesundheitsberufe am Universitätsklinikum Heidelberg Ende September 2011. Ehrenamtliche Sterbebegleiter konnten mit Weiterbildungsgutscheinen der Aktion „Starke Weggefährten“ der Dietmar Hopp Stiftung kostenlos teilnehmen.

 

Die Dietmar Hopp Stiftung hat 2010 die Aktion „Starke Weggefährten“ ins Leben gerufen, um das Engagement der ehrenamtlichen Sterbebegleiter zu würdigen und zu fördern. Dazu stellte die Stiftung 39 ambulanten und stationären Hospizeinrichtungen der Rhein-Neckar-Region Weiterbildungsgutscheine im Gesamtwert von 500.000 Euro für ihre Ehrenamtlichen zur Verfügung. Kooperationspartner der Aktion sind die Akademie für Gesundheitsberufe Heidelberg, das Odenwald-Institut in Wald-Michelbach und das Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen: Hier können die Sterbebegleiter die Gutscheine bis Dezember 2013 für Kurse aus dem umfangreichen Weiterbildungsangebot für „Starke Weggefährten“ einlösen.

 

 

„Ich freue mich über die große Resonanz“, begrüßte Akademieleiter Frank Stawinski die mehr als 100 Teilnehmer. Die Akademie für Gesundheitsberufe ist die Aus-, Fort- und Weiterbildungseinrichtung des Universitätsklinikums und der Evangelischen Stadtmission Heidelberg: Hier werden jährlich rund 800 junge Menschen in zwölf Gesundheitsberufen ausgebildet; dazu kommen berufsspezifische und berufsübergreifende Weiterbildungen sowie Fortbildungen für Pflegeberufe. Dazu gehört auch der Bereich Palliative Care.

 

Das abwechslungsreiche Tagungsprogramm mit Vorträgen und Workshops rund um Lebenslust und Lebenslast reichte von praktischen Übungen über Erfahrungsberichte bis hin zu spirituellen Denkanstößen. „Die Tagung war sehr gewinnbringend“, sind sich Heidi Junker und Joachim Kahne vom ambulanten Hospizdienst Frankenthal sowie Barbara Weber vom Hospiz Agape in Wiesloch einig. Weiterbildungsangebote wie diese seien wichtig „um neue Impulse zu erhalten und um sich mit Ehrenamtlichen aus anderen Diensten auszutauschen.“

 

„Ehrenamtliches Engagement unverzichtbar“

 

 Den Dialog zwischen ehrenamtlichen Sterbebegleitern und Hauptamtlichen anzuregen, war eines der Ziele von Organisator Stefan Moster, verantwortlich für den Bildungsbereich Palliative Care an der Akademie: „In der Sterbebegleitung ist das ehrenamtliche Engagement unverzichtbar.“ Die Ehrenamtlichen sind da, hören zu, führen Gespräche oder lesen vor, helfen, die letzten Dinge zu regeln und unterstützen die Familien der Patienten. „Wir wollen in diesem Rahmen die Starken Weggefährten würdigen und für ihre weitere Arbeit motivieren“, so Moster.

 

Die Auswahl der Inhalte der Fachtagung orientierte sich an den wichtigen Themen der Hospizbewegung. Es ging u.a. um Schmerzen und Schmerztherapie, den Umgang mit sterbenden oder trauernden Kindern oder Annäherungen an die Frage „Wo ist Gott, wenn Menschen leiden?“ – auf der anderen Seite aber auch um die Bereicherung, die das Ehrenamt mit sich bringen kann: „Für mich ist es ein Erfolg, wenn ich es geschafft habe, einen Menschen so zu begleiten, dass er gut gehen konnte – und zwar nach seinen Bedürfnissen gut“, beschrieb Wolfgang Schulte, Leiter der Hospizgruppe in Schifferstadt, in seinem Vortrag die Glücksmomente im Ehrenamt. 

 

In den Workshops am Samstagnachmittag erprobten die Teilnehmer kleine Wohltaten für Körper und Seele – ob eine Handmassage mit ätherischen Ölen oder die Wirkung von Klang – und diskutierten die Sprache der Sterbenden oder spirituelle Themen wie das Trösten in einer trostlosen Situation. Darüber hinaus gab es eine Einführung in die Kinästhetik, die differenzierte und bewusste Wahrnehmung der eigenen Bewegung. Daraus ergeben sich Techniken, um einerseits die Belastung für die Pflegenden zu verringern und andererseits die Bewegungskompetenz der Patienten zu verbessern.

 

Grundkurs im Kangarooing

 

 „Mir liegt es am Herzen, die Patienten bis zuletzt darin zu unterstützen, soviel wie möglich selbst zu machen und so ein Stück weit ihre Selbstkontrolle zu bewahren“, erklärte Peter Pankraz, Krankenpfleger im Zentrum für Palliativmedizin des Universitätsklinikums Köln und Kinästhetik-Trainer. „Die Frage dabei ist: Schaue ich auf das, was der Mensch noch kann, oder auf das, was er nicht mehr kann.“ Er stellte zudem das Konzept des Kangarooing, des Gehalten-seins im Sterben, vor: Körperkontakt und Umarmung durch eine vertraute Person vermögen Sterbende zu beruhigen, die zuletzt von großer Unruhe erfasst werden. Die praktische Übung folgte im Workshop.

 

Am Ende der Tagung fühlten sich viele Teilnehmer in ihrem Einsatz neu bestärkt. So wie Elisabeth Michels, die ehrenamtlich in der Ökumenischen Hospizgruppe Adelsheim-Seckach-Osterburken tätig ist und den Workshop „Achtsamkeit durch Music Care“ der Tagung besuchte: „Es hat mich zum einen bestätigt, zum anderen hat es mir neuen Mut gegeben, das eine oder andere musikalisch auszuprobieren. Es war sehr inspirierend.“

 

Akademie für Gesundheitsberufe

 

Bildergalerie zur Fachtagung

 

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