Förderung und Würdigung
Ehrenamtlicher Hospizarbeit
in der Metropolregion Rhein-Neckar

Adalbert Errass

 

Adalbert Erass (Hospizgruppe der Pflegeheimat St. Hedwig) vor dem Heidelberger Schloss.

„Ich lasse die Zeit einfach laufen“

Mit kranken und hilfsbedürftigen Menschen hat Errass schon seit seinem 16. Lebensjahr zu tun: Da begann er seine Ausbildung zum Orthopädie-Techniker: „Mein Interesse dafür, anderen zu helfen, geht aber noch weiter zurück. Als 8-Jähriger lag ich selbst in der Klinik. Da begann mein Interesse dafür zu wachsen.“ Als seine Schwiegereltern im Sterben lagen, wurde Adalbert Errass mit den letzten Schritten auf dem Pfad des Lebens ebenso konfrontiert wie in seinem Beruf, wenn er für Krebspatienten – beispielsweise mit Knochentumoren und Amputationen – Prothesen und Orthesen anfertigte. Die Begleitung Sterbender, ihnen Aufmerksamkeit und Zeit zu widmen, war zu einem Teil seines Lebens geworden, ohne dass er es gemerkt hatte. So war der Schritt zur ehrenamtlichen Sterbebegleitung vor zwei Jahren ein nicht mehr allzu großer. Das Orientierungsseminar hat Adalbert Errass noch mit aufgeregten „Schmetterlingen im Bauch“ besucht. Doch mit der Hilfe von Schwester Ulrika, die die ehrenamtliche, aktive Seelsorgerin im Hause St. Hedwig ist, sowie der Leiterin der Hospizgruppe Nicole Kahlert, fand er schnell zu seiner Aufgabe.

 

Errass richtet sich bei seinen Besuchen einerseits nach einem Zeitplan, „die Patienten stellen sich ja auch darauf ein“, andererseits ist er aber auch spontan genug davon abzuweichen, wenn er seiner Patientin eine Extra-Freude bereiten kann: „Ich war auf dem Markt in Heidelberg, habe wunderschöne Erdbeeren gesehen. Die habe ich der Dame vorbeigebracht und sie hat sie gemeinsam mit der Nachtschwester genossen.“

Errass’ Patientin liest sehr viel – und sie liest auch gerne vor. Die ehemalige Lehrerin mag besonders französische Gedichte, die sie Adalbert Errass dann auf deutsch vorliest. Die beiden verbringen aber auch viel Zeit mit gemeinsamen Gesprächen. „Wir erzählen uns, was wir schon alles erlebt haben, reden aber auch über ganz alltägliche Dinge. Wir lachen zusammen, wir weinen zusammen. Gerade haben wir uns auf den Sommer eingestimmt.“ Es erfüllt Adalbert Errass mit Zufriedenheit wenn er spürt, dass der Mensch, den er begleitet, glücklich ist.

 

„Jede Minute die ich in meine ehrenamtliche Aufgabe investiere, erhellt meinen Horizont. Ebenso schätzen es die Patienten sehr, dass man ihnen Zeit widmet. Sie haben einen ganz anderen Zeitbegriff.“ Diese Erkenntnis gehört sicherlich zu den Besonderheiten der Sterbebegleitung. „Ein sehr großer Teil meiner Aufgabe als Sterbebegleiter ist schlicht, Zeit zu haben. Das Loslassen von der Uhr, von der Bewegung der Weltkugel. Ich lasse die Zeit einfach laufen.“

 

 

Ein Sterbebegleiter wie Adalbert Errass ist oft auch eine Stütze für die Angehörigen, denen der Umgang mit der Situation häufig sehr schwer fällt. „Fünf Tage vor dem Tod der Patientin, die ich zuletzt begleitet habe, stellten sich mir die Anverwandten vor. Sie wollten mich bei ihren Besuchen dabei haben, luden mich dann auch zur Beerdigung ein. Die Angehörigen waren sehr dankbar, dass ich sie nicht alleine gelassen habe.“

 

 

„Einen Menschen in den letzten Stunden zu begleiten kostet sehr viel Kraft“, schildert Errass. „Deshalb bin ich sehr froh, dass mich meine Frau und meine beiden Töchter unterstützen. Sie schätzen ehrenamtliches Engagement hoch ein und geben mir die Gelegenheit, über das Erlebte zu sprechen und es so zu verarbeiten. Auch weil wir schon einige Sterbefälle in der Familie hatten, weiß meine Familie gut über meine Aufgabe als Sterbebegleiter Bescheid. Meine Familie ist mein Rückgrat.“

 

Obwohl Adalbert Errass schon einige Male erlebt hat, wenn Menschen am Ende ihres Weges angekommen sind, ist es für ihn keine Routine – und wird es auch nie sein: „Der Tod eines Patienten, vor allem wenn man ihn längere Zeit begleitet hat, geht mir schon nahe. Meine Seele weint darüber, einen Menschen verloren zu haben, aber ich bin auch glücklich darüber, einen Menschen bis zu seinem Tod begleitet zu haben.“ Der Lehrerin, die Adalbert Errass derzeit bis ans Ende ihres Lebensweges begleitet, scheint es ähnlich zu gehen. Sie sagt: „Ich stimme mich auf die Zeit ein, wo ich zu meinen Lieben darf.“