Förderung und Würdigung
Ehrenamtlicher Hospizarbeit
in der Metropolregion Rhein-Neckar

Elke Anton

 

Elke Anton (Kinderhospiz Sterntaler) in der Blütenpracht vor dem Mannheimer Wasserturm.

Kein Ort der Traurigkeit

Als Elke Anton Anfang 2008 vom Kinderhospiz „Sterntaler“ und dessen Suche nach ehrenamtlichen Familienbegleitern las, wusste sie sofort: „Dieser Artikel ist wie für mich geschrieben.“ Mit dem Gedanken, sich in der Hospizarbeit für schwerkranke Kinder zu engagieren, trug sich die hauptberufliche Friseurin schon länger. Nach einem Jahrzehnt ehrenamtlicher Telefonseelsorge für Kinder und Jugendliche beim Deutschen Kinderschutzbund war bei Elke Anton der Wunsch nach einer Betätigung aufgekommen, die weniger anonym ist und mehr Gelegenheit zu intensivem persönlichen Kontakt bietet. Dazu kamen ihre persönlichen Erfahrungen mit Verlust und Abschied nehmen: Ihre eigene Mutter starb früh und später begleitete sie ihre beste Freundin während einer jahrelangen Krebserkrankung.

 

Auch vor dem Hintergrund dieser Erlebnisse ist die Mutter zweier erwachsener Töchter schon immer dankbar für ihr eigenes Glück: „Zwar muss eins meiner Kinder wegen einer chronischen Darmerkrankung ständig eine Diät leben – das ist eine Einschränkung, aber keine lebensbedrohliche Erkrankung. Ich bin einfach froh, dass wir alle gesund sind, haben, was wir uns wünschen und allen Grund haben, glücklich zu sein. Das möchte ich teilen, indem ich einen Teil meiner Freizeit verschenke – das bedeutet für mich Ehrenamt.“

 

Nachdem Elke Anton 2008 Kontakt zum Kinderhospiz Sterntaler aufgenommen hatte, absolvierte sie zunächst die rund 100-stündige Ausbildung und das abschließende Praktikum, das jeder ehrenamtliche Begleiter durchlaufen muss. Neben medizinischen, psychologischen und rechtlichen Grundlagen stehen dabei auch eigene biografische Elemente, ausführliche Reflexionen und das persönliche Erleben im Vordergrund. Im April 2009 endete die Qualifizierung und als kurz darauf auch das Kinderhospiz in Dudenhofen fertig gestellt wurde, konnte Elke Anton ihre Arbeit aufnehmen. Seitdem kommt sie regelmäßig in das helle freundliche Haus, das sie ausdrücklich nicht als Ort der Traurigkeit empfindet, sondern als geschützte Herberge, in der auch gerne gelacht wird.

 

Der Mannheimer Förderverein „Kinderhospiz Sterntaler“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, schwerst und unheilbar erkrankte Kinder sowie deren Familien zu unterstützen und auf ihrem schwierigen Weg zu begleiten. Mit dem Kinderhospiz möchte der Verein den Betroffenen eine „kleine Oase“ bieten, um sich in Ruhe zurückzuziehen und die gemeinsame Zeit intensiv nutzen zu können. Das Kinderhospiz bietet derzeit bis zu drei schwerstkranken Kindern und deren Familien Betreuung und Unterstützung. Im Unterschied zu Erwachsenen kommen die Kinder nicht nur für die letzten Tage oder Stunden ins Hospiz. Um die Familie zeitweise zu entlasten, sind auch mehrere Aufenthalte möglich. Im Kinderhospiz sind die ehrenamtlichen Familienbegleiter für die ganze Familie da und begleiten sowohl das kranke Kind als auch seine Angehörigen und Geschwister.

 

Manche Eltern wollen ihr schwerkrankes Kind zunächst auf keinen Fall in einem Hospiz sehen, weil sie dies mit einem vorgezogenen Ende verbinden. Doch schon nach dem ersten Besuch im Kinderhospiz Sterntaler ändert sich die Meinung von Eltern, Großeltern und Geschwisterkindern häufig und sie empfinden den Beginn jedes Aufenthalts wie ein „Nachhause kommen“.

 

Dieses Gefühl verdanken die Familien auch den ehrenamtlichen Begleitern wie Elke Anton. Da im Alltag das kranke Kind im Mittelpunkt steht, bleibt für die Geschwister wenig Raum. Einer von Elke Antons gesunden Schützlingen sagte einmal: „Ich möchte auch einmal so krank sein und alle kümmern sich um mich!“ Den Wunsch nach Aufmerksamkeit und intensiver Zuwendung möchte sie gerne erfüllen. Deshalb geht es bei der Begleitung nicht immer nur um das kranke Kind, sondern auch um dessen Geschwister und Eltern. „Ich komme und habe Zeit, sage einfach nur, dass wir jetzt genau das machen, worauf das jeweilige Kind Lust hat“, berichtet Elke Anton.

 

Auch sonst sind ihre „Dienststunden“ im Kinderhospiz sehr offen. Im Unterschied zu den ehrenamtlichen Weggefährten, die Erwachsene auf ihrem letzten Weg begleiten, unterstützt Elke Anton nicht nur eine, sondern alle Familien, die in dem kleinen Hospiz Platz gefunden haben: Sie kommt zur Tür herein und sieht, wer gerade da ist. In der Teamarbeit mit den Pflegekräften versucht sie zu erspüren, was das kranke Kind gerade braucht und probiert aus – beispielsweise fängt sie an ein Lied zu singen und wartet die Reaktion ab, um zu entscheiden, ob sie weitermachen oder doch lieber vorlesen, kuscheln oder etwas ganz anderes tun soll. Hauptsache ist, dass es den kleinen Patienten gut geht in der Zeit, die Elke Anton ihnen und ihren Familien schenkt.