Förderung und Würdigung
Ehrenamtlicher Hospizarbeit
in der Metropolregion Rhein-Neckar

Gisela Berlitz-Resch

 

Gisela Berlitz-Resch (Ambulanter Hospiz- und Palliativberatungsdienst Landau/Südliche Weinstraße) vor dem Deutschen Weintor in Schweigen-Rechtenbach.

„Jeder darf sein, wie er sich fühlt“

Seit 15 Jahren engagiert sich Gisela Berlitz-Resch beim ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst in Landau (Südliche Weinstraße) als Sterbe- und Trauerbegleiterin, weil sie eine wichtige Erfahrung weitergeben möchte: Die Hoffnung, dass es weitergeht und dass nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen ein neuer Lebensabschnitt kommt.

 

Durch den Suizid ihres neunzehnjährigen Sohnes vor zwanzig Jahren hat Gisela Berlitz-Resch selbst erfahren, wie schwierig es ist diese Hoffnung zu finden und wie wertvoll die Unterstützung durch andere Betroffene sein kann. „Damals waren Tod und Sterben noch Tabuthemen und kaum jemand hat über Trauerarbeit geredet. Lange habe ich versucht ganz alleine zu verarbeiten, habe viel gelesen und bin dabei auf den Verein „Verwaiste Eltern e.V.“ in München aufmerksam geworden. Dann bin ich dorthin gefahren und habe in einer Trauergruppe Hilfe gefunden“, erzählt Gisela Berlitz-Resch.

 

Was ihr damals aus ihrer Verzweiflung half, möchte die heute 61-jährige an andere Betroffene weitergeben. Neben der Begleitung des Sterbenden selbst empfindet sie auch die Begleitung und Entlastung von Angehörigen als wichtige Aufgabe. Sie möchte ihnen die Möglichkeit zum Gespräch geben, zuhören, Hoffnungen und Ängste mittragen, entlasten und stärken.

 

Seit Ende 2009 engagiert sich Gisela Berlitz-Resch zudem in einem neuen Projekt der Hospizhilfe Landau: Gemeinsam mit sieben anderen Ehrenamtlichen hat sie eine Weiterbildung in Trauerarbeit gemacht und ein Trauercafé gegründet. Einmal im Monat findet ein Treffen statt, bei dem Trauernde in geschützter und vertrauter Atmosphäre Gelegenheit haben, ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen oder aber einfach nur schweigend dabeizusitzen. „Jeder darf so sein, wie er sich fühlt.“, erklärt Gisela Berlitz-Resch.

 

Aus der Arbeit im Trauercafé hat sich der Kontakt mit einer Frau ergeben, die erst ihren Ehemann und wenig später einen erwachsenen Sohn verloren hat. Jetzt trifft sich Gisela Berlitz-Resch regelmäßig mit ihr, unternimmt lange Spaziergänge durch die Weinberge und lässt die Betroffene einfach nur erzählen, was geschehen ist. „Ich will da sein, mitfühlen und einfach authentisch sein. Ich habe selbst erfahren, wie gut es ist, jemanden zu haben, der das wirklich kann – jemanden, der tatsächlich versteht, weil er selbst Ähnliches erlebt hat“, berichtet die Hospizbegleiterin.

 

Ihrer Meinung nach hat sich viel getan, seit sie als junge Krankenpflegerin zum ersten Mal mit dem Tod in Berührung kam und immer wieder erschüttert war, wie wenig Beachtung Menschen am Ende ihres Lebens erfahren. Die Aktion „Starke Weggefährten“ findet sie notwendig und wichtig, um die Tabuisierung des Sterbens weiter zu durchbrechen.

 

Bei ihrem Engagement in der Hospizarbeit sind Gisela Berlitz-Resch und ihre Kollegen intensiven Erfahrungen ausgesetzt, die sich nicht einfach abschütteln lassen. Deshalb treffen sich die Ehrenamtlichen in regelmäßigen Abständen und besprechen ihre Erlebnisse.

 

Gisela Berlitz-Resch nimmt neben schwierigen auch positive und ergreifende Momente mit nach Hause, manchmal spürt sie eine tiefe Nähe zu den Patienten. Insbesondere freut sie sich, wenn sie Menschen auf ihrem letzten Weg kleine Wünsche erfüllen kann.

 

Eine über 70-jährige Krebspatientin wollte gerne nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt wieder zu Hause versorgt werden. Mit der Begleitung durch Gisela Berlitz-Resch konnte dieser Wunsch erfüllt werden. Weil der Patientin nach einiger Zeit das Sprechen unmöglich geworden war, nahm die Sterbebegleiterin eines Abends ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel mit: Die einzige Kommunikation waren das Spiel und das Lächeln, das auf das Gesicht der Frau trat, als sie gewonnen hatte. Am nächsten Morgen wachte sie nicht mehr auf – Gisela Berlitz-Resch war tief beeindruckt von diesem letzten Treffen und froh einen Weg gefunden zu haben, wie sie ohne Worte Nähe schaffen kann.

 

Da es keine Seltenheit ist, dass Patienten am Ende ihres Lebens nicht mehr sprechen können, wünscht sie sich noch mehr über den Umgang mit Menschen zu erfahren, die ihr Sprachvermögen verloren haben. Meistens schafft Gisela Berlitz-Resch in solchen Fällen Abhilfe mit Schreiben oder spricht einfach nur selbst. „Ich kann mir aber vorstellen, dass da noch mehr möglich ist und man noch viele andere Zugänge finden kann. Wenn es dazu eine Weiterbildung geben würde, wäre das wirklich schön“, findet Gisela Berlitz-Resch.