Förderung und Würdigung
Ehrenamtlicher Hospizarbeit
in der Metropolregion Rhein-Neckar

Michael Koch

 

Michael Koch (Hospiz Elias) wurde am Rhein mit Blick auf die Ludwigshafener Walzmühle fotografiert.

„Die Art wie mein Vater sterben durfte, habe ich als Geschenk erlebt“

„Die Art und Weise wie mein Vater sterben durfte, habe ich als großes Geschenk erlebt“, erzählt Michael Koch. Nach siebenjähriger Krankheit verstarb der Vater vor drei Jahren an Krebs. „Er konnte zu Hause sterben, weil mein Bruder und meine Schwägerin beruflich im Pflegebereich tätig sind und sein bester Freund auch sein Hausarzt war.“ Viele Hospizhelfer sind durch einen Todesfall in der eigenen Familie erstmals mit diesem besonderen Ehrenamt in Berührung gekommen. Doch der Tod seines Vaters hat Michael Koch erst nach einem kleinen „Umweg“ zur Hospizarbeit geführt: Im Hauptberuf ist Michael Koch Lehrer – unter anderem für Religion. „In der Vorbereitung auf meinen Unterricht bin ich auf das Hospiz Elias in Ludwigshafen gestoßen. Was ich auf deren Website gelesen habe, hat mit meinen Vorstellungen, wie man Sterbende auf ihrem letzten Weg begleiten kann, übereingestimmt.“

 

„Ich kam durch die Eingangstür und habe mich sofort wohl gefühlt“, erinnert sich Michael Koch an seinen ersten Tag im Hospiz Elias. „Es ist familiär, eine freundliche, fast heimelige Atmosphäre.“ Hatte er überhaupt keine Berührungsängste? „Ich bin nicht völlig ohne Vorbehalte gewesen. Ich überlegte mir schon, in welche Situation ich wohl komme, ob ich die richtigen Worte finde. Hospizleiter Rolf Kieninger hat mir dabei sehr geholfen und mich unterstützt.“ Den ersten Tag verbrachte Michael Koch mit Gartenarbeiten. Und der erste Kontakt zu einem Patienten barg bereits eine kleine Überraschung: „Ich fragte den Herrn einfach, ob er gerne Gesellschaft hätte. Ein bisschen Smalltalk kriegt man ja immer hin, aber damit waren wir schnell durch. Und dann – das war das Überraschende – war es auch völlig okay, einfach so zusammen zu sitzen.“

 

Was sich die Patienten von Michael Koch am meisten wünschen, ist Zeit: „In allen erdenklichen Varianten. Ob wir nun miteinander plaudern oder ernsthafte Gespräche führen, ob die Patienten von ihrem Leben erzählen oder ich von meinem – oder ob wir einfach nur dasitzen. Zeit wird sehr viel intensiver und wertvoller in den letzten Stunden. Und wenn Patienten und ich uns auf der richtigen Ebene treffen, geht es auch schnell ans «Eingemachte». Dann sprechen wir über Dinge, die sehr schön sind, aber auch über solche, die unglaublich bedrückend sein können.“

 

Wird ein männlicher Sterbebegleiter anders wahrgenommen als Frauen? „Typische Männerthemen spielen überhaupt keine Rolle. Aber das Alltagsleben wird von den Patienten mit mir anders besprochen als mit Hospizhelferinnen. Die Perspektive ist eine andere und auch wie man über diese alltäglichen Dinge spricht.“ Gerade männliche Patienten finden schnell eine gemeinsame Ebene mit Michael Koch. „Patientinnen sind mir gegenüber manchmal zunächst reserviert, es gibt da ab und an Berührungsängste, vor allem bei der Mithilfe in der Pflege. Dies legt sich jedoch meist nach kurzer Zeit.“

 

Wie für alle Hospizhelfer ist auch für Michael Koch die Qualifikation das Rüstzeug, mit dem er seine Aufgabe bewältigt. Bisher hat Michael Koch an Kursen des Bildungswerks Elias und des Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Ludwigshafen teilgenommen. In einem Kurs hat er sich mit spirituellen Themen, beispielsweise mit den Trauerphasen und mit der Frage, wie verschiedene Religionen mit dem Thema Tod umgehen, befasst. Einen zweiten Kurs hat er zum Thema „Kommunikation mit Sterbenden“ besucht. Besonders interessiert Michael Koch der medizinische Aspekt. Hierfür würde er auch einen Weiterbildungsgutschein der Aktion „Starke Weggefährten“ einsetzen: „Ich möchte die Dinge, die mir alltäglich begegnen, besser verstehen können.“ Darüber hinaus ist Supervision ein wichtiges Thema für ihn: „Es gibt natürlich Patienten, die nur kurz bei uns im Hospiz sind. Aber vor allem wenn Menschen sterben, die länger bei uns gelebt haben, nimmt man das schon mit nach Hause.“ Nicht nur Supervision hilft Michael Koch dann, sondern auch sein Glaube: „Ich spreche ein kleines Gebet und weiß: Ich habe meinen Teil getan.“