Förderung und Würdigung
Ehrenamtlicher Hospizarbeit
in der Metropolregion Rhein-Neckar

Petra Guthmann

 

Petra Guthmann (Ökumenische Hospizhilfe Südliche Bergstraße) auf dem Balkon des alten Bierkellers in Wiesloch, dem heutigen Hospiz Agape.

Sterbebegleitung schärft den Blick fürs Wesentliche

Petra Guthmann ist eine »Starke Weggefährtin«. Seit März 2008 engagiert sie sich ehrenamtlich als Hospizhelferin 
im Wieslocher Hospiz Agape, begleitet dort in der Regel zwei Mal im Monat Sterbende auf ihrem letzten Weg. 
»Ich hatte ein Problem mit dem Tod und regelrechte Angst davor«, beschreibt sie ihre Motivation. Als Angestellte in der Verwaltung der Diakonie Kraichtal wurde Petra Guthmann oft mit dieser Thematik konfrontiert und entschloss sich, eine von der Ökumenischen Hospizhilfe Südliche Bergstraße angebotene Ausbildung zur Hospizhelferin zu absolvieren. Die Angst hat sie durch ihr ehrenamtliches Engagement für Sterbende überwunden. Als sie von der Eröffnung des Hospizes Agape erfuhr, war ihr sofort klar: Hier möchte ich mich einbringen. Bei der Ökumenischen Hospizhilfe Südliche Bergstraße sind rund 60 Frauen und Männer ehrenamtlich im häuslichen Umfeld, in Altenheimen und im stationären Hospiz Agape tätig. In der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar sind es über 1.000.

Raum der Stille, Hospiz AgapeIm „Raum der Stille“ trifft sich Petra Guthmann mit einem Gast – so werden die Bewohner des Hospizes bezeichnet. Die beiden unterhalten sich über ganz alltägliche Dinge wie das Wetter, das Fernsehprogramm oder die Ausbildung der eigenen Kinder. „Es kommt häufig vor, dass ich einen neuen Gast kennen lerne, der schon bei meinem nächsten Besuch nicht mehr da ist“, beschreibt Petra Guthmann die traurige Seite ihrer Tätigkeit. In der Regel geht sie von Zimmer zu Zimmer, spricht mit den Menschen oder liest ihnen etwas vor. „Das ist so, als habe man Gäste zu Hause. Es sind völlig normale Gespräche, die sich um das Leben und nicht um den Tod drehen und die den Gästen ein bisschen Ablenkung verschaffen.“ Diese Gespräche helfen auch ihr selbst. Sie nähren die Hoffnung, dass nach dem Ableben nicht alles vorbei ist. Der Tod bleibt nicht abstrakt, er wird ein bisschen „normaler“. „Die Menschen hier freuen sich über einen gemeinsamen Cappuccino und sind auch für Kleinigkeiten sehr dankbar“, sagt Petra Guthmann: „Sie führen ein ehrliches Leben, niemand hat mehr etwas zu verbergen, jeder sagt, was er denkt und was er will.“ Auch das ist eine besondere Erfahrung. Durch die Hospizarbeit relativieren sich viele Dinge, der Blick fürs Wesentliche schärft sich. „Ich möchte eines Tages auch meinen Eltern beistehen können und nicht davonrennen. Darauf fühle ich mich gut vorbereitet.“


Hospiz Agape, Petra GuthmannDas Abschiednehmen von den Gästen und die Konfrontation mit Sterben und Tod ist nicht immer einfach. Auf der halbstündigen Heimfahrt vom Hospiz kann Petra Guthmann einigermaßen abschalten, obwohl sie nicht immer alle Erfahrungen vor der Haustür abladen kann. Um mit dem Thema Tod besser umgehen zu können und immer wieder neue Kraft zu schöpfen, begleitet die Ökumenische Hospizhilfe Südliche Bergstraße ihre Ehrenamtlichen in regelmäßigen Treffen, bietet Veranstaltungen wie „Seelentage“ an und bildet sie weiter. Darüber hinaus hat Petra Guthmann bereits mehrere Weiterbildungen der Aktion „Starke Weggefährten“ absolviert, wie etwa das Seminar „Gespräche einfühlsam führen“ in der Heidelberger Akademie für Gesundheitsberufe, in dem die Teilnehmer lernen, die Sterbenden in der Situation anzunehmen, in der sie sich befinden. Im Odenwald-Institut bildete sie sich zum Thema „Körperausdruck“ weiter. „Da geht es darum zu erkennen, was der Gast denkt und braucht. Im Dialog mit den Sterbenden darf man nicht problembehaftet, sondern muss völlig bei der Sache sein. Bei den Weiterbildungen habe ich vor allem gelernt, dass man sich selbst achten und lieben muss, um anderen Menschen ein »Starker Weggefährte« sein zu können.“