Förderung und Würdigung
Ehrenamtlicher Hospizarbeit
in der Metropolregion Rhein-Neckar

Priska Winkler

 

Priska Winkler (Hospiz-Initiative im Ried) wurde am Altrhein im Hessischen Ried fotografiert.

„Mitfühlen, nicht mitleiden“

„Trauer hat viele Gesichter“ – so lautet der Titel der ersten Weiterbildung, die Priska Winkler besucht hat. Erst seit letztem Jahr ist sie ehrenamtliche Sterbebegleiterin – eine „Starke Weggefährtin“. „Ich habe in meinem familiären Umfeld schon vor einigen Jahren sehr positive Erfahrungen mit einer Begleitung durch eine Hospizschwester gemacht. Seitdem hat mich das Thema nie mehr ganz losgelassen. Die Aktion »Starke Weggefährten« hat mir einen zusätzlichen Impuls gegeben“, erzählt die Verwaltungsangestellte. Anfang 2011 nahm sie dann an einem Vorbereitungslehrgang bei der Hospiz-Initiative im Ried teil.

 

„Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, immer wieder hin und her überlegt“, erzählt Priska Winkler. Im Alter von 48 Jahren entschloss sie sich, Hospizhelferin zu werden. Ihr Umfeld war zunächst skeptisch. „Willst du dir das wirklich antun“, fragte beispielsweise ihr Ehemann. Den Ausschlag gab ein so genannter „Emmaus-Gang“, ein besinnlicher Spaziergang in der Gruppe mit Gesang und Gebet, der an den Gang der Jünger Christi nach Emmaus erinnert. „Dieses gemeinsame Erlebnis mit meiner Hospizhelferinnen-Gruppe hat mir gezeigt, dass diese Aufgabe genau richtig für mich ist, dass es wahrhaftig ist, Menschen in den letzten Tagen und Stunden zu begleiten. Außerdem ist unsere Arbeit ja – anders als viele vielleicht glauben – nicht ausschließlich traurig und belastend.“

 

Momentan begleitet Priska Winkler zwei Sterbende. Einen Patienten kennt sie aus der Zeit ihrer Hospizhelferinnen-Ausbildung, zu der auch ein sechsmonatiges Praktikum gehört. Dabei übernehmen die Ehrenamtlichen einen Besuchsdienst bei kranken Menschen. Die angehenden Hospizhelfer erhalten so die Gelegenheit, das in der Ausbildung Gelernte anzuwenden. Darüber hinaus ist es auch eine Art „Selbstprüfung“, ob sich die Entscheidung für die Lebensbegleitung bis zum Ende „richtig anfühlt“. Als sich der Gesundheitszustand des Altenheim-Bewohners, zu dem Priska Winkler einen guten Kontakt aufgebaut hatte, verschlechterte, wollte sie die Besuche nicht aufgeben. So wurde aus dem Praktikum eine Sterbebegleitung.

 

Für die Besuche bei schwer kranken Menschen gibt es keinen Plan, keine Liste, nichts, was Priska Winkler mit dem Sterbenden „abarbeiten“ würde. Fest steht nur der regelmäßige Besuchstermin. Ein fester Rhythmus ist der Hospiz-Initiative besonders wichtig. „Bin ich bei dem Patienten, frage ich zunächst, ob meine Anwesenheit jetzt erwünscht ist und ob ich bleiben darf. Ich versuche herauszufinden, was denjenigen gerade bewegt, was er gerade braucht und was davon ich leisten kann.“

 

„Das Leitmotiv unserer gesamten Arbeit ist: »Mitfühlen, aber nicht mitleiden«“, erläutert Priska Winkler: „Meine Aufgabe kann ich vor allem deshalb so gut meistern, weil ich versuche, diesen Grundsatz zu beherzigen und trotz Mitgefühl und Nähe zu den Sterbenden großen Wert darauf lege, mich selbst auch abzugrenzen, gewissermaßen zu »schützen«“. Zweifel an ihrer eigenen Stärke hält sie dabei für „absolut in Ordnung“. „Nur so kann ich mich immer wieder selbst hinterfragen und erneut zu dem Schluss kommen: »Ja, es ist nicht nur wichtig, sondern auch für mich richtig, Menschen in ihren letzten Stunden zu begleiten«.“

 

Priska Winkler fühlt sich bei der Hospiz-Initiative im Ried sehr gut aufgehoben. Gemeinsam besucht die Gruppe demnächst den „Starke Weggefährten“-Kurs „Gewaltfreie Kommunikation“. „Es ist immer schön, wenn man etwas Neues lernen und mitnehmen kann. Ich bin sehr dankbar, als Ehrenamtliche von hauptamtlichen Referenten betreut zu werden und Input zu bekommen. Ich erhoffe mir dadurch viele neue Erkenntnisse, die ich dann in der Praxis umsetzen kann“, so Priska Winkler.

 

Die monatlichen Treffen der Gruppe, die sich schon seit der Ausbildung kennt, regelmäßige Supervisionen und eine jederzeit ansprechbare Koordinatorin bieten den Hospizhelferinnen einen geschützten Raum, in dem alle offen über ihre Erfahrungen sprechen können. In Ergänzung hierzu stärken die Weiterbildungen der Aktion „Starke Weggefährten“ die Ehrenamtlichen und fördern den Austausch unter den Hospizhelfern in der Metropolregion Rhein-Neckar.

 

„Neben der allgemeinen Wertschätzung, die in diesem sorgfältigen Aufeinanderachten zum Ausdruck kommt, sind es die kleinen Gesten, die mir immer wieder zeigen, dass die ehrenamtliche Hospizarbeit das Richtige für mich ist.“ Es gibt nicht selten Situationen, da kommt sie zu einem Patienten, der einen seiner schlechteren Tage hat. „Wenn es dann trotzdem gelingt, ihm oder ihr ein winziges Lächeln oder einen sanften Händedruck zu entlocken, dann geht mir das richtig tief ins Herz.“