Förderung und Würdigung
Ehrenamtlicher Hospizarbeit
in der Metropolregion Rhein-Neckar

Silvia Verwaal-Mellem

 

Silvia Verwaal-Mellem (Hospizgemeinschaft Schwetzingen) wurde im Schwetzinger Schlossgarten fotografiert.

„Jede Begleitung ist ein gegenseitiges Geschenk“

Wie bei vielen ehrenamtlichen Sterbebegleitern gab auch bei Silvia Verwaal-Mellem der Verlust eines geliebten Menschen den Impuls zu ihrem Engagement. Nach dem frühen Tod der Mutter im Jahr 2000 stellte die Arzthelferin fest, dass sie sich mit ihrer Trauer beschäftigen musste: „Irgendwann wurde es mir klar – wenn ich das nicht angehe, werde ich krank.“ Deshalb entschloss sie sich 2003 zu einer Ausbildung als Hospizbegleiterin, zunächst jedoch ohne die Absicht, anschließend selbst in die Begleitungsarbeit einzusteigen. Erst als diese zu Ende ging und Silvia Verwaal-Mellem ihre eigene Trauer bearbeitet hatte, entwickelte sich der Wunsch ihre Erfahrungen im Umgang mit Tod und Sterben an andere Menschen weiterzugeben. Seitdem begleitet sie Sterbende auf ihrem letzten Weg.

 

Im Dezember 2003 übernahm Silvia Verwaal-Mellem ihre erste ambulante Sterbebegleitung für die Hospizgemeinschaft Schwetzingen. Zwei über 70-jährige Schwestern hatten sich gemeldet und um Hilfe gebeten. Nach einem Erstgespräch, das jeweils von der Einsatzleiterin geführt wird, wurde die gerade fertig ausgebildete Hospizbegleiterin Silvia Verwaal-Mellem angesprochen. Sie hält die Vorbereitungs- und Organisationsarbeit durch die Hospizgemeinschaft für einen wichtigen Baustein ihrer Tätigkeit: „Unsere Einsatzleiterinnen kennen alle in der Gruppe sehr gut und entscheiden nach dem Erstkontakt, wer am besten zu der jeweiligen Person passt. Wenn dann feststeht, wer die Begleitung übernimmt, bekommt derjenige außerdem einige erste Informationen zur Vorbereitung. Wichtig ist dabei auch, den eigenen Alltag vor Beginn des Einsatzes hinter sich zu lassen.“

 

So erfuhr Silvia Verwaal-Mellem bei ihrem ersten Einsatz, dass eine der Schwestern an einer schweren degenerativen Erkrankung des Nervensystems litt und die andere durch ihre Pflege stark in Anspruch genommen wurde. Deshalb stand neben der eigentlichen Sterbegleitung auch die Entlastung der gesunden Schwester im Vordergrund. Silvia Verwaal-Mellem verbrachte Zeit mit der schwer kranken Frau, so dass die Schwester wieder unbesorgt zum Arzt zu gehen, einkaufen oder einfach nur einige Stunden für sich selbst sein konnte.

 

Nach über einem halben Jahr Begleitung starb die Patientin wenige Stunden nach dem letzten Besuch. Anschließend begleitete Silvia Verwaal-Mellem deren Schwester durch die Trauerzeit – der Kontakt blieb bis zu ihrem Tod vor einigen Monaten bestehen.

 

Aber nicht nur deshalb war diese erste Begleitung etwas Besonderes für die Ehrenamtliche. „Das war auch eine sehr persönliche Erfahrung, weil meine Mutter an einer ähnlichen Erkrankung gestorben war und ich aus Unerfahrenheit nicht immer genug Einfühlsamkeit aufbringen konnte. Dank meiner Ausbildung zur Hospizbegleiterin konnte ich dieser Patientin nun das geben, was ich mir auch für meine Mutter gewünscht hätte“, erzählt Silvia Verwaal-Mellem.

 

Inzwischen sind zahlreiche Sterbebegleitungen und der Aufbau eines Trauertreffs für Angehörige zu ihrem Engagement hinzugekommen und sie hat auch einen persönlichen Leitspruch für ihr Engagement gefunden: „Achtung und Achtsamkeit – weil ich das neben Empathie und Respekt für die wichtigsten Grundelemente meiner Tätigkeit halte. Schließlich gehe ich als fremde Person zu einem schwer kranken Menschen, der mir dann seine innersten Gefühle und Bedürfnisse anvertraut.“

 

Weil dabei natürlich auch belastende Erlebnisse vorkommen können, schätzt sie besonders die Treffen mit einem ausgebildeten Supervisor und den anderen Begleitern, die monatlich in geschütztem Rahmen stattfinden.

 

Im vergangenen Jahr musste die Hospizgemeinschaft selbst einen Verlust verkraften: Eine der Mitbegründerinnen starb – nachdem die Gruppe ihre Kollegin gemeinsam auf dem letzten Weg begleiten durfte. „Sie war die Erste aus unserem Kreis, die – wie sie selber oft gesagt hat – die Seiten gewechselt hat, das war schon ein ziemlich einschneidendes Erlebnis,“ berichtet Silvia Verwaal-Mellem.

 

Dennoch empfindet sie ihr Engagement als Bereicherung für das eigene Leben, denn die Ehrenamtliche ist überzeugt: „Jede Begleitung ist ein gegenseitiges Geschenk.“

Damit diese „Geschenke“ weiterentwickelt werden können, freut sich Silvia Verwaal-Mellem über jede Fortbildung, mit der sie ihr Wissen ausbauen kann – denn sie möchte gerne immer auf dem aktuellen Stand der Hospizarbeit bleiben. Besonders interessieren sie dabei Weiterbildungen im Bereich der Palliativbetreuung oder zum Umgang mit dementen Patienten.